Produktdesign Mappe Beispiel Essay

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  • Thomas Korf ist dreimal gescheitert. Seine vierte Bewerbung steht an, also geht er in diesen Tagen oft spazieren. "Ich muss entspannt sein, um auf neue Ideen zu kommen, das habe ich mittlerweile gelernt", sagt Thomas. Der 22-Jährige will studieren - in Berlin, Bremen, Düsseldorf, ganz egal wo. Nur Kommunikationsdesign muss es sein.

    Till Wolfer

    Studentische Mappen-Arbeit: Professoren geben keine Tipps

    Gestalterische Studiengänge sind beliebt bei deutschen Schulabgänger. Jedes Jahr dürfen sich etwa 1300 Studenten in das Fach Kommunikationsdesign einschreiben - bei den Hochschulen bewerben sich jedoch zehn Mal mehr. Entscheidendes Kriterium bei der Auswahl der Studenten ist die Bewerbungsmappe: kreatives Reifezeugnis und künstlerischer Offenbarungseid.

    Nur wer mit einer ausgefallenen Mappe die Juroren zu überzeugen weiß, darf auf einen Platz im Fachbereich Gestaltung hoffen. Für die Bewerbungsmappe zeichnen Abiturienten monatelang alles vom Ballettschuh bis zum Auto-Innenraum. Sie kopieren alte Meister in Öl, stricheln Storyboards, verewigen ihre Haustiere in Aquarell und fotografieren, bis die Speicherkarte qualmt. Manche arbeiten jahrelang an ihrer Mappe, bis sie endlich einen Studienplatz ergattern.

    Viele überschätzen ihr Können hoffnungslos

    So viel Mühe gibt sich nicht jeder Bewerber. "Ich war blauäugig und naiv", sagt Thomas Korf über seine ersten gestalterischen Gehversuche. In seine Mappe packte er einfach alles, was er im Kunstunterricht fabriziert hatte. "Da war viel Schrott dabei. Heute wäre es mir peinlich, mich damit zu bewerben", sagt Korf. Die Antwort aus Bielefeld war niederschmetternd - Note 5, glatt abgelehnt. Das Schicksal teilte Korf mit vielen anderen: Von 269 Bewerbern akzeptierte die Fachhochschule im Wintersemester 2004/2005 nur 87 in den Fächern Fotografie, Design und Mode.

    Die frustrierende Quote liegt allerdings nicht nur an der geringen Anzahl der Studienplätze, sondern auch an der mangelnden Eignung der Bewerber. So sieht es zum Beispiel Claudius Lazzeroni. Der Professor für Interfacedesign an der Universität Essen ist immer wieder verwundert, wie schlecht junge Menschen über die Anforderungen eines gestalterischen Studiengangs informiert seien. "Die kommen von der Schule, fanden Latein doof, Kunst irgendwie nett. Und sie glauben, das reicht", so Lazzeroni.

    Thomas Korf hat sich von der Absage aus Bielefeld nicht entmutigen lassen und belegte einen Mappenkurs. Dort übte er den perspektivischen Blick, zeichnete anatomische Studien und lernte die Grundzüge von Typografie und experimentellen Techniken. "Das hat mir enorm geholfen, meine Mappe zu verfeinern", erzählt Korf. Trotzdem scheiterten auch seine nächsten zwei Bewerbungen.

    Unter Experten sind Vorbereitungskurse umstritten. "Dort trainieren sich die Schüler bloß Klischees an", glaubt Professor Lazzeroni. Worauf es ankomme, das lernten sie nicht.

    Abgelehnt trotz Mappenkurs

    Doch worauf kommt es an? Was macht eine gute Mappe aus? Sie muss auffallen, persönlich sein und visuelle Klischees hinter sich lassen. HipHop-Motive wie im Werbespot auf MTV kommen nicht an, ebenso wie brave Zeichnungen von rosa Turnschuhen.

    So weit, so gut - konkrete Tipps zu Motiven und Arbeitsweisen kann und will Lazzeroni jedoch nicht geben. "Wir wünschen uns neugierige Studenten und frische Ideen", sagt der Professor nur pauschal, wenn man ihn danach fragt. Schließlich stelle jede Hochschule andere Anforderungen. Tatsächlich hat das Bewerbungsverfahren in Magdeburg mit dem in München wenig zu tun. Und wer in Berlin durchfällt, kann die Juroren in Leipzig durchaus begeistern.

    Daher sei es ratsam, sich im Vorfeld über das Profil der Universität zu erkundigen, sagt etwa Martin Schwartz. Der 28-Jährige studiert im zweiten Semester Industriedesign in Kiel und moderiert das Design-Forum precore.net. Nach abgebrochenem Jurastudium konnte er es sich nicht leisten, noch mehr Zeit zu verlieren, und ging seine Bewerbung ungewöhnlich beherzt an. Gemeinsam mit zwei Freunden tourte er quer durch Deutschland, schaute sich Kunst- und Designhochschulen an, las Bücher, surfte im Internet, besuchte Mappenberatungen und sprach mit Studenten.

    Jede Hochschule tickt anders

    Heute findet Schwartz, es sei am wichtigsten, sich die Hochschule persönlich anzuschauen. Diesen Eindruck könne keine Broschüre ersetzen: "Ob ich an eine Uni passe, kann ich nur wissen, wenn ich selbst dort war." Nach seinem Road-Trip bewarb sich Schwarz an fünf Fachhochschulen und bekam an dreien einen Studienplatz angeboten. Seitdem ist sich Schwartz sicher: Je besser die Kandidaten informiert sind, desto besser stehen ihre Chencen.

    Eine Erkenntnis, mit der Martin Schwartz künftigen Bewerbern helfen möchte. Im Forum von precore.net können sich Design-Interessierte über ihre Erfahrungen austauschen, Mappen werden vorgestellt, Studiengänge portraitiert. "Wir klären Fragen wie: Was ist eigentlich eine Mappe? Wo kann man Design studieren?", sagt Schwartz. Zudem können sich Bewerber an den Arbeiten anderer orientieren.

    Dabei dürfen sie aber nicht zu weit gehen. Wer einfach Motive aus fremden Mappen kopiert, kann sein zusammenhangloses Sammelsurium vor der Prüfungskommission nur schwer begründen. Gerade zwei Minuten nehmen sich die Professoren normalerweise für die Sichtung einer Mappe Zeit.

    Den Königsweg zur gelungenen Mappe gibt es nicht. Wohl aber einen guten Rat: "Üben, üben, üben. Und sich auch von Ablehnungen nicht abschrecken lassen", sagt Lazzeroni. Und so arbeitet Thomas Korf weiter an seinem Ziel - auch nach drei Ablehnungen.

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